Anja Butschkau

Mein Tag bei der Dortmunder Tafel

Ulli Weber, pensionierter Förderschullehrer und Peter Thanscheidt,  pensionierter Ingenieur und langjähriger Genosse, nahmen mich heute mit auf ihre Tour.  Alle 14 Tage  fahren sie gemeinsam durch den Dortmunder Süden, um Waren von Supermärkten einzusammeln, die sonst niemand mehr möchte. Sie sammeln für die Dortmunder Tafel.

Das Dreamteam werden sie genannt und das verwundert nicht, sind die beiden Männer doch nach über drei Jahren gemeinsamer Tätigkeit für die gute Sache bereits ein eingespieltes Team. Ein Team, bei der die gute Laune, trotz körperlich schwerer Tätigkeit, nicht zu kurz kommt. „Wenn es mir keinen Spaß machen würde, hätte ich nach ein paar Wochen den Dienst quittiert“, versichert mir Ulli Weber, der jede Woche an einem Nachmittag für die Dortmunder Tafel unterwegs ist. Er ist einer der vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen, die dafür sorgen, dass die vielen Menschen, die in unserer reichen Gesellschaft von der Tafel abhängig  sind, auch etwas zu essen bekommen.

Ich habe mir heute einen Überblick über die verschiedenen anfallenden Tätigkeiten verschaffen dürfen und bin als Praktikantin von Ulli und Peter dann auch gleich mitgefahren, um Lebensmittel einzusammeln. Dabei habe ich viel gelernt, nicht nur wie man sich als Tafel-Mitarbeiterin in den Läden zu verhalten hat oder welche Lebensmittel wie sortiert werden, nein, ich habe hautnah mitbekommen, wie engagiert Menschen für andere Menschen arbeiten, ehrenamtlich ohne dafür bezahlt zu werden.

Nun muss man sich natürlich die Frage stellen, warum es in einem reichen Land wie Deutschland überhaupt Tafeln gibt. Und warum es sich ein Land wie Deutschland überhaupt erlaubt, Menschen mit Lebensmitteln, die sonst niemand mehr möchte, zu versorgen. Ja, diese Fragen müssen gestellt und beantwortet werden. Und dann kommt garantiert heraus, dass es eine Schande ist, dass das Einkommen in Deutschland so ungerecht verteilt ist. Dass es eine Schande ist, dass die Armut in unserem Land immer größer wird. Und dann ist es an der Zeit, diese Verhältnisse zu ändern. Nur so lange wir sie nicht geändert haben, müssen die Menschen etwas zu essen haben. Und solange ist es gut, dass es die Tafeln gibt. Und vor allen Dingen die Menschen, die die Tafeln mit Leben füllen. Ich habe heute einige von ihnen kennengelernt und kann mich für ihr Engagement und ihre Herzenswärme nur bedanken.

Danke Peter und Ulli für Eure heutige Unterstützung und ja, ich nehme das Angebot gerne an und komme in die Ausgabestelle nach Dorstfeld zum Praktikum.

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